Solde Story im Resi-Gewand
Die Story serviert uns im Kern wieder gut abgehangene Resident-Evil-Kost: Umbrella-Nachwehen, Viren, zwielichtige Wissenschaftler, das alte Raccoon City in Trümmern. Wer die Reihe kennt, weiß ungefähr, wohin die Reise geht. Und trotzdem funktioniert das Ganze erstaunlich gut. Grace ist als traumatisierte Tochter einer ermordeten Journalistin eine deutlich greifbarere Figur als die meisten ihrer Vorgänger – ihre Geschichte ist persönlich, düster und zieht einen schnell in ihren Bann. Der Gegenspieler, der verrückte Wissenschaftler Victor Gideon, ist ebenfalls schön over the top geraten, ohne ins Lächerliche zu kippen. Insgesamt fügt sich das neue Kapitel stimmig ins große Ganze ein und bietet für Lore-Fans einige feine Verknüpfungen zu früheren Teilen.

Grafik und Sound
Technisch ist Requiem auf der Xbox Series X ein Genuss. Die bewährte RE Engine zeigt wieder einmal, was in ihr steckt: Die Beleuchtung ist erstklassig, die Gesichter der Figuren transportieren feinste Mimik, und die heruntergekommenen Schauplätze – vom verrotteten Wrenwood Hotel bis zu den Ruinen Raccoon Citys – sind mit so viel Liebe zum Detail gestaltet, dass man stellenweise stehen bleibt, nur um die morbide Kulisse auf sich wirken zu lassen. Das Spiel läuft butterweich, ohne spürbare Einbrüche.

Auch der Sound sitzt. Knarrende Dielen, das Ächzen der Infizierten in der Ferne, plötzliche Musikstiche – das Sounddesign weiß genau, wann es einen lieb und wann es einen leiden lassen will. Die deutsche Synchronisation ist solide ausgefallen und verleiht den Figuren ihren eigenen Charme. Keine Oscar-verdächtigen Leistungen, aber alles, was man hört, passt und stört an keiner Stelle die Immersion.
Fazit
Resident Evil Requiem ist ein gelungener Spagat zwischen purem Survival Horror und knackiger Action, der dank seiner zwei Hauptfiguren einen Rhythmus aufbaut, den die Serie in dieser Form noch nicht hatte. Grace und Leon funktionieren als Duo hervorragend, auch wenn die FBI-Analystin mit ihrer Dauerangst an manchen Stellen etwas an Glaubwürdigkeit einbüßt. Spielerisch ist das zu verschmerzen, weil ihre Passagen genau diese klaustrophobische Survival-Stimmung erzeugen, die vielen modernen Ablegern der Reihe abgeht.
Leon ist und bleibt dagegen ein Garant für flüssige, befriedigende Action, die sich wie eine natürliche Weiterentwicklung des vierten Teils anfühlt. Dazu gesellen sich eine gewohnt abgedrehte, aber packend inszenierte Geschichte und eine Präsentation, die auf der Xbox Series X keine Wünsche offen lässt.
Ja, die Story bedient altbekannte Umbrella-Klischees, und nein, nicht jede Design-Entscheidung wird jeden Fan glücklich machen. Doch unterm Strich liefert Capcom einen Serienteil ab, der sich gekonnt an seinen Wurzeln bedient, ohne in Nostalgie zu ertrinken. Wer Survival Horror mag, für den ist Requiem ein klarer Pflichtkauf. Und wer bislang mit der Reihe fremdelte, findet hier dank des zweigleisigen Konzepts vielleicht endlich seinen Einstieg.
Bewertung
Pro
- Spannender Wechsel zwischen zwei Spielstilen
- Dichte, klaustrophobische Horror-Atmosphäre mit Grace
- Flüssige, befriedigende Action-Passagen mit Leon
- Wunderschön morbide RE-Engine-Optik
- Clevere Crafting-Mechanik rund um den Blood Collector
- Packende, persönliche Geschichte rund um Grace
Contra
- Grace wirkt als FBI-Agentin nicht immer glaubwürdig
- Storytwists teils vorhersehbar für Serienkenner
- Ressourcenknappheit kann Neulinge frustrieren
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