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Viele Fetch-Quests machen es etwas dröge

Der Vorgänger war hier interessanter gestaltet. Hier hat man unheimlich häufig kleine Nebenquests, die aber in 90 % aller Fälle darauf hinauslaufen, wieder ein paar Truppen zu killen. Das ist wirklich schade, denn gerade diese Welt mit den oben beschriebenen Fraktionen bietet Raum für viel mehr Rollenspiel. Und nein, reines Attribute-Aufwerten ist kein Rollenspiel.

Man will doch Entscheidungen treffen und schauen, was dann passiert, wenn man sich anders entscheidet. Hier gibt es nur in den restlichen 10 % aller Fälle eine Möglichkeit, die Quest gewaltlos abzuschließen. Immerhin. Aber die besteht halt daraus, dass man einfach die Option anklickt, die kein Kampfsymbol davor hat. Das ist ein wenig lasch. Zumal der Großteil aller Nebenquests eh nur reiner unvertonter Text ist. Da hätte man doch relativ easy ein paar Entscheidungsbäume platzieren können.

Hinzu kommt eine eigentlich coole Option, die aber die Quests noch mehr verpuffen lässt: Man kann den Kampf auch einfach mit der Option „Erobern" abschließen, wenn man stark genug ist. Das bedeutet, man kann den Großteil der Quests durchklicken, einmal auf „Erobern" klicken und ist fertig. Hmmm, schade.

Wo Nevendaar strahlt

Doch neben den Problemzonen, die wir gerade beschrieben haben, gibt es auch viel Gutes zu berichten. Die Präsentation der Hauptkampagne ist besser geworden. Es gibt sogar ein paar wenige Cutscenes. Die sind zwar nicht auf Triple-A-Niveau, aber sie machen trotzdem was her.

Die Kämpfe selbst machen Laune. Hinzu kommt, dass man den eigenen Charakter vielfältig aufbauen kann. Es gibt vier Klassen mit jeweils zwei Klassenbäumen, und man kann diese relativ easy zurücksetzen und umskillen. Ich hatte mich in meinem Durchlauf für eine Kriegerin entschieden. Diese wurde auf Crit geskillt und hat dann nur noch Gegner geschmolzen. Hat richtig Bock gemacht. Dazu kommt, dass man auch ein interessantes Loot-Repertoire hat, das einen mit den unterschiedlichen Ausrichtungen spielen lässt.

Will ich meinen Hauptcharakter eher als knallharte Killermaschine ausstatten oder doch lieber als Tank? Oder was dazwischen? Diese Optionen sind dank der Ausrüstungsgegenstände und Kristalle möglich – und zwar für jede Klasse. Seine Einheiten kann man ebenfalls ausstatten. Zwar nicht so umfangreich, aber immerhin. Die Gefährten erhalten zudem noch einen Waffenslot mit einzigartigen Waffen, die man durch das Lösen ihrer Quests freischalten kann. Das motiviert und bietet Raum für Experimente.

Auch sehr cool: Man hat drei Slots, um jeweils verschiedene Truppenzusammenstellungen zu speichern. Da kann ich mir eine Truppe bauen, die extrem gut normale Gegnertruppen schnell dezimieren kann, und eine, die sich z. B. sehr gut für Bossgegner eignet. Und noch eine dritte zum Experimentieren. Sehr nice. Zusätzlicher Wiederspielwert kommt durch den sogenannten Domination-Modus. Dieser ist so eine Art New Game+, der einem ermöglicht, statt zwei nun drei Gefährten mitzuführen und mehr XP zu verdienen. Hinzu kommt ein neues geheimes Ende, das man freispielen kann.

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Fazit

Disciples: Domination macht gleichzeitig Sachen besser, aber auch manche Sachen schlechter als Liberation. Besser wäre hier die höhere taktische Spieltiefe bei den Kämpfen. Schlechter sind die generischen Nebenquests. Entscheidungen haben hier nicht wie im Vorgänger Einfluss auf die Gefährten. Das ist denen hier völlig egal.

Die Umsetzung für Konsole hätte durchaus mehr Liebe vertragen können. Manche Quests sind schwer zu entdecken, und der ohnehin schon kleine UI-Text bleibt auch hinter Scrollbalken so lange versteckt, bis man es schafft, diesen mit dem Mauscursor zu greifen und zu bewegen. Unschön.

Dennoch machen die Kämpfe und die vielfältigen Klassenvarianten echt Bock, und man fiebert am Ende doch etwas mit Avyanna mit und will – wie bei einer längeren Fantasyserie – wissen, wie es ausgeht. Die Gefährten an sich sind weiterhin interessant und bieten einiges an Backstory, die man sich anschauen kann.

Unter dem Strich ist Disciples: Domination ein Spiel, das sein Potenzial nicht ganz ausschöpft, aber dennoch genug bietet, um Fans von taktischen RPGs bei der Stange zu halten. Nur die Geduld mit der Konsolen-UI sollte man mitbringen.


Bewertung

Pro

  • Tiefere strategische Kämpfe
  • Coole Gefährten
  • Stimmiges Dark-Fantasy-Setting
  • Umfangreiche Build-Möglichkeiten des Hauptcharakters
  • Schöne Musik

Contra

  • Schriften auf Konsole weiterhin zu klein – ohne Einstellmöglichkeit
  • Zu wenige Tutorials
  • Ein Großteil der Quests ist nicht vertont
  • Teilweise etwas unfaire Balancing-Spitzen
  • Holprige UI-Anpassung für Konsole

Gafik 7 von 10
7/10
Sound 8 von 10
8/10
Gameplay und Zugänglichkeit 7 von 10
7/10
Umfang 8 von 10
8/10
Spielspaß 7 von 10
7/10
Story 7 von 10
7/10
7

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