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Schon seit Ende letzten Jahres gibt es das mystische Sci-Fi-Adventure für PCler, nun gibt es das Ganze auch für Konsoleros: In Deliver Us The Moon begebt ihr euch in der nahen Zukunft für eine Aufklärungsmission auf den Mond. Warum der Thriller nur in punkto Atmosphäre punktet, Gameplay-mäßig aber nicht so prickelnd ist, erfahrt ihr in unserem Review…

Auf der dunklen Seite des Mondes… kommt die Story mit dem Hammer daher.

Die Story hat ein episches Ausmaß. Es spielt circa 50 Jahre in der Zukunft, die Erde ist mittlerweile nicht mehr der schöne blaue Planet von einst. Wüstenstürme, Trockenheit, alles vermutlich eine Folge des Klimawandels. Um aber weiterhin leben zu können und genügend Energie auf der Erde zu haben, expandierte man zum Mond (man wird unweigerlich an die TV-Serie „The Expanse“ erinnert). Man schaffte es mit einer speziellen Mikrowellen-Technik (ja, kein Witz) Energie vom Mond aus zur Erde zu transferieren. Doch eines vermaledeiten Tages gab es einen Blackout und jegliche Energiezufuhr und Kommunikation vom Mond brach ab.

Und wie ihr euch denken könnt, springt ihr nun in die Rolle jenes einzelnen Astronauten, der das Ganze erkunden und erforschen soll. Eure Aufgabe ist, Dunkel ins Licht zu bringen und das Geheimnis des Mondes aufzudecken.

Soweit so gut… Allerdings erkennt der erfahrene Science-Fiction-Leser und sich für Astrophysik interessierende Gamer beim Spielen des Games sofort die großen Mankos der Story: Sie ist unglaublich unrealistisch und stellt oftmals total unglaubwürdige Szenarien dar. Dafür, dass man die Geschichte so packend und realitätsnah wie möglich erzählen möchte, geht das ganz schön schief. Dass ein Astronaut alleine auf so eine Mission geht, ist schon einmal aberwitzig und wäre der reine Selbstmord schlechthin. Dass man dann Energiezellen austauschen muss, immer nur begrenzt Zeit hat, die aber einem süß angezeigt wird, usw. ist ein weiteres Ding. Das Gameplay, das euch auch überhaupt keine Freiheiten im Lösen der Probleme gibt, ist ein weiteres Problem (Astronauten werden auf Improvisation getrimmt, um im echten Notfall auch reagieren zu können).

Aber auch die Art und Weise, wie man euch die Story vermittelt, wirkt lieblos und nicht durchdacht. Notizen zu einer Rede, die vor über 10 Jahren auf der Mondbasis gehalten wurden, liegen noch ganz sauber auf dem Rednerpult, wichtige, private Briefe, in denen es um Trennungen und Sorgerechtstreits geht, liegen offen auf einem verlassenen Pult… Irgendwie will man die Geschichte mit dem Hammer vermitteln, auch wenn es unglaubwürdig erscheint…

Glänzende Atmosphäre

Hat man dann genug auf die Story geschimpft, muss man Deliver Us The Moon eines lassen: Die Atmosphäre ist unglaublich packend. Natürlich ist es sinnvoll für die düstere Stimmung, dass man als Astronaut alleine in der Raumstation umherwandelt. Stets fühlt es sich erdrückend an, stets hat man aufgrund von Sauerstoffmangel dieses Stressgefühl, das einen einfach packt. Landet man dann zum ersten Mal auf dem Mond und blickt aus der Raumstation hinaus, das Ganze auf einem hochauflösenden 60-Zoll-Fernseher und bei gedimmtem Licht… da kann einem schon einmal die Kinnlade runterfallen.

Dazu passend ist der Soundtrack, der immer nur in den richtigen Moment eingesetzt wird – fantastisch auch die Momente, in denen absolute Stille herrscht und man nur die kleinen Umgebungsgeräusche wahrnimmt. Hier hat man wirklich große Arbeit geleistet; selten fühlte sich ein Videospiel auf dem Mond so einsam und gleichzeitig packend an, ohne dass man großartig etwas tut. Die Synchronsprecher sind übrigens auch sehr gut und trösten über die simplen Hologramme, die öfter mal etwas über vergangene Momente erzählen (erinnern stark an Tacoma), hinweg.

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Fazit

Wenn man in die Atmosphäre eintaucht, sich vom Soundtrack einhüllen lässt und die Einsamkeit auf der Mondstation auf sich wirken lässt… dann ist Deliver Us The Moon ganz oben. Die Stärke des Spiels liegt im cineastischen Aufbau und in der bedrückenden Stimmung, die einen stets auch in Stresssituationen bringt. Spielt man aber eine Weile, entdeckt man auch einige Schwachstellen…

So ist die Story zwar ganz nett, aber sie wird einem mit dem Hammer präsentiert, furchtbar linear und irgendwie zu „einfach“ und vorhersehbar. Denkt man an so grandiose Filme wie Moon aus dem Jahr 2009 (mit Sam Rockwell), dann sieht man, dass Realismus, Science-Fiction und Thriller sehr wohl Hand in Hand gehen können und nicht platt und klischeehaft präsentiert sein müssen. Gleichzeitig ist nämlich auch das Gameplay zu einfach und linear, ohne große Erkundungsmöglichkeiten und ohne Nebenaufgaben, so dass das Spiel, trotz bombastischer Atmosphäre, sehr schnell sehr eintönig wirkt.

Insgesamt hinterlässt Deliver Us The Moon also einen zwiespältigen Eindruck. Man will  es einfach lieben, weil es einen in seiner düster-dunklen Stimmung einfach packt, die Mond-Ästhetik was ganz Eigenes, fast schon Erhabenes hat, aber andererseits ist das Gameplay zu banal und die Story teilweise zu sehr mit schnöden Klischees und Banalitäten beladen, so dass man wieder enttäuscht ist. Wer sich unsicher ist, soll sich unbedingt vorher unser Let’s Play anschauen!


Bewertung

Pro

  • Story teilweise spannend
  • Unglaublich packende Atmosphäre
  • Gut eingesetzter Soundtrack

Contra

  • Unrealistische und dadurch teilweise unglaubwürdige Story
  • Viel zu simples und lineares Gameplay
  • Relativ kurze Spieldauer
  • Geringer Wiederspielwert

Grafik 7 von 10
7/10
Sound 9 von 10
9/10
Story 7 von 10
7/10
Gameplay 6 von 10
6/10
Spielspaß 6 von 10
6/10
Umfang 4 von 10
4/10
7

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