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Mehrere Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Natürlich beginnt alles erst einmal mit dem Charakter-Creator. Der ist recht gut und umfangreich gemacht. Nachdem ihr euren persönlichen Nackedei bestimmt habt (und bestimmt Geschlecht, Frisur und Aussehen gut, denn das kann man anschließend nicht mehr ändern!), steigt ihr stets in die Haut von „V“, und unabhängig von Geschlecht und Lebenspfad, den ihr wählt. Allerdings muss man sagen, dass die Wahl von „Nomade“ (Aussätziger der Wüste außerhalb von Night City), „Straßenkind“ (Alteingesessener der Stadt, der über reichlich Kontakte verfügt) oder „Corpo“ (Firmenangestellter mit Connections zu den Mächtigen und Reichen) keinen großen Einfluss aufs Spiel hat. Die Introsequenz ist anders und bei einigen Dialogen habt ihr ein paar zusätzliche Möglichkeiten, manchmal stehen ein paar andere Optionen zur Verfügung. Die Story wird davon allerdings nicht großartig beeinflusst.

V bleibt auch immer V, allerdings können die Sidequests tatsächlich die Hauptstory beeinflussen. Abhängig davon, wie ihr euch in den (teilweise etwas extremen) Dialogoptionen entscheidet und dadurch die Beziehungen zu bestimmten Personen stärkt, ergeben sich neue Möglichkeiten und Abzweigungen in den Hauptmissionen, die teilweise sogar zu verschiedenen Enden führen kann. 

Zwar sind die Beeinflussungen massiv, aber so subtil, wie es die Entwickler anfänglich versprochen hatten, ist es nicht. Das storylastige Rollenspiel mit tausend abzweigenden Story-Ästen ist es also nicht, aber einen großen Einfluss auf die Geschichte werden eure Entscheidungen dennoch haben können – solange ihr die Nebenmissionen nicht vernachlässigt!

Darf ich vorstellen: Johnny Silverhand

Die Persönlichkeit von Keanu Reeves trägt hier zum Charme bei. Dieser Charakter, der erst nach ein paar Stunden Gameplay eingeführt wird, zeigt wieder einmal, worin Cyberpunk gut ist: Sci-Fi-Storys erzählen. Denn Johnny Silverhand ist ein ambivalenter Kerl, eigentlich bereits gestorben und ist irgendwie immer zweideutig in seinen Aussagen. Ständig taucht er auf und will sich einmischen, gibt euch Tipps, die mal gut, mal fatal sind. Mal will er unbedingt, dass wir eine Nebenmission abschließen (die dann tatsächlich auch genial ist) und mal hat er absurde Ideen, bei dem alles im Chaos endet.

SIlverhand wäre nicht so sympathisch, würde es Keanu Reeves nicht so talentiert ambivalent rüberbringen. Der Charakter bleibt undurchdringlich, irgendwie wie ein anstrengender Schulfreund, aber gleichzeitig ist man immer gespannt, was denn als nächstes kommt.

Ähnlich, wie die vielen Jobs und Aufgaben in Night City. Denn auch die, so ähnlich und so simpel sie meist sind, führen immer wieder dazu, dass man sich sagt: Komm, nur noch eine! Und noch eine… und noch eine Mission. Denn dann hat man mehr Geld, kann sich plötzlich die neue Waffe leisten, damit besiegt man wieder die stärkeren Gegner, dann bekommt man mehr Erfahrung, die investiert man in Technik-Skillpoints und schon kommt man in die eine Tür rein, die bisher immer versperrt blieb. Ein Rattenschwanz und ein furchtbar süchtig machendes Gameplay. Da vergisst man seine Hauptmission komplett!

Wenn das Wörtchen „Bug“ nicht wär‘…

Leider, leider… ist es mittlerweile allzu bekannt, dass Cyberpunk 2077 sehr verbuggt ist. Am Tag des Releases gab es auf allen Plattformen massenweise Probleme, die dermaßen das Spiel beeinflussten, dass man nicht mehr richtig spielen konnte. Bugs, die Missionen nicht abschließbar machten, Fehler in der grafischen Darstellung, und, und und. Bekannt ist mittlerweile auch die Problematik der schwächeren Konsolen Xbox One und PS4. Denn selbst die One X und die PS4Pro können das Spiel mit grafischen Einbußen fast nicht korrekt spielen. Die Framerate fällt auf unter 10, Ruckler und weitere technische Bugs machen das Spiel auf diesen Plattformen, selbst aktuell mit den neuesten Patches, eigentlich unspielbar. Das ist auch der Grund, warum es auch im Microsoft Store noch immer eine anstandslose Rückerstattung für Digitalkäufe des Spiels gibt.

Neben den technischen Problemen auf den leistungsstarken Konsolen läuft Cyberpunk aber auch auf der Xbox Series X noch nicht rund. So hatten wir bei unserem Test Wandglitches, einmal kam Fall-Damage mit einer Verzögerung von 10 Sekunden, ein anderes Mal gab es Darstellungsprobleme bei der Wahl der Hose und einmal konnten wir mit der Schrotflinte nicht mehr schießen – es half nur ein Verlassen des Spiels ins Hauptmenü. Man muss aber fairerweise sagen, dass es ansonsten sehr flüssig läuft – kein Vergleich mit der Xbox One. Allerdings – und das ist sehr schade – gibt es noch keine spezifisch für Xbox Series X gedachten Optimierungen. Man sieht leider, dass die Entwickler dazu gezwungen wurden, das Spiel viel zu früh auf den Markt zu bringen… Und das nicht nur wegen der Bugs, sondern es sind auch enorm viele anfänglich hochangepriesenen Features verschwunden (wie bereits oben erwähnt, ist Cyberpunk 2077 bei weitem nicht so interaktiv, wie es die ersten „Gameplay“-Trailer vermuten ließen).

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Fazit

Wer eine Xbox Series X besitzt, der kann sich freuen: Hier läuft der Titel mittlerweile sehr rund. Cyberpunk 2077 kann hier durch eine packende Story und vor allem durch sehr durchdachte Nebenmissionen in eine dystopische Cyber-Welt eintauchen, das optisch eine Ästhetik der 80er mit modernen Techniken vermischt. Die Rollenspiel-Elemente sind etwas mau, es gibt viel First-Person-Shooter-Action und die Welt wirkt aufgrund mangelnder Interaktivität meist wie eine schöne Kulisse, doch insgesamt macht es dennoch Spaß, sich durch diese düstere Zukunftsvision hindurch zu kämpfen. Die Charaktere erwecken die tote Stadt zum Leben und reißen einen emotional mit, schön sind die Verflechtungen der Entscheidungen aus den Sidequests mit der Hauptstory, die zu verschiedenen Enden führen kann. Man fragt sich immer: Was wäre passiert, hätte ich mich in der Nebenstory anders entschieden?

Doch gibt es auch immer noch unzählige Bugs, ganz abgesehen davon, dass das Spiel auch einen Monat nach Release auf der Xbox One eigentlich komplett unspielbar ist. Die technische Komponente, die fehlt und die vielen, vielen Versprechungen bzgl. der Gameplay-Elemente, die nicht eingehalten wurden, lassen bei Cyberpunk 2077 einen faden Beigeschmack. Es ist bei weitem kein schlechtes Spiel, aber es hätte noch so viel mehr sein können, hätte man es geschafft, vor Release alle Fehler auszubügeln und mehr versprochene Inhalte zu bieten.


Bewertung

Pro

  • Teils geniale Sci-Fi-Atmosphäre
  • Setting und Story sehr gut
  • Nebenmissionen mit emotionalen und spannenden Storys
  • Recht große Spielwelt
  • Auf Xbox Series X flüssiges, actionreiches Gameplay

Contra

  • Wenig interaktive Welt
  • Sehr viele ähnliche Missionen und Jobs
  • Viele Versprechungen nicht eingehalten
  • Auf Xbox One eigentlich komplett unspielbar
  • Immer noch zahlreiche Bugs und Glitches

Grafik 8 von 10
8/10
Sound 8 von 10
8/10
Story 9 von 10
9/10
Gameplay 7 von 10
7/10
Technische Umsetzung 3 von 10
3/10
Umfang 7 von 10
7/10
7

11 Kommentare

dayX Mo, 15.02.2021, 17:51 Uhr

Ja hab 8,5 Stunden Spielzeit auf Steam und danach abgebrochen. Selbst wenn man die ganzen Bugs ausblendet ist es immer noch kein wirklich gutes Spiel und meilenweit davon entfernt, was CDPR angekündigt hat. Für mich mit Abstand DIE Enttäuschung meiner Gaming-Karriere. Und es tut mir in diesem Fall im Herzen weh, nachdem ich The Witcher 3 locker 4-5 mal durchgezockt hab auf sämtlichen Systemen.

Ich werde aber auf jeden Fall nochmal reinschauen, wenn sie mit der Entwicklung hoffentlich irgendwann fertig sind. Das Grundgerüst ist ja vorhanden, nur hätte man noch mindestens 1 Jahr Entwicklungszeit benötigt.

Knuffte So, 14.02.2021, 18:08 Uhr

Hast du das Spiel selber mal gespielt?

Klar gibt es so einige Bugs, aber man sollte nicht vergessen, dass bei solchen Videos nur solche Momente raus gesucht werden.

dayX So, 14.02.2021, 11:23 Uhr

Ich bin ja erstaunt darüber, wie gut der Rotz trotzdem in sämtlichen Reviews noch wegkommt. Für mich maximal eine 4 / 10, PC-Version. Kann mir auch beim besten Willen kein neues No Mans Sky vorstellen, dafür sind die Probleme einfach zu gravierend. Für mich ist das letzte Fünkchen Vertrauen in die Gaming-Branche hiermit jedenfalls gestorben.

RDR2 obliterates Cyberpunk 2077 - YouTube

Knuffte Do, 21.01.2021, 17:15 Uhr

Laut Ringdrossel läuft es auf der One X ziemlich solide.

Markus5113 Do, 21.01.2021, 15:05 Uhr

funktioniert auch das Spiel "Cyberpunk 2077" auf der normalen xBox one X ?

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