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2012 wurde es angekündigt, dann oft wurde verschoben und nun endlich ist es draußen… Ob das jetzt eine gute Sache ist, sei dahingestellt, denn bekanntermaßen sind die PS4 und Xbox One Versionen des Spiels komplett verbuggt und laufen nicht rund. Wir haben das Sci-Fi-Abenteuer auf der Xbox Series X gespielt und berichten in unserem Review von den guten und den schlechten Seiten.

Achtung:

Das Review basiert auf dem Spiel, das wir im Januar auf einer Disc-Version für Xbox One bekommen haben, mitsamt aller bis dahin erschienenen Patches. Gespielt wurde auf einer Xbox Series X.

Beeindruckendes Setting

Eins muss man dem Spiel lassen: Es versteht es, ein geiles Setting aufzubauen. Das, was man aus dem ursprünglichen Pen-&-Paper-Rollenspiel herausgezaubert hat, lässt einen staunen. Die dystopische Version der Zukunft ist zwar teils mit etwas zu stark wiederholenden und übertriebenen Werbebotschaften ausgestattet, die natürlich darauf hinweisen, wie sehr sich unsere Gesellschaft auf Sex und Drogen fokussiert, aber das Bild passt irgendwie. Die Farbpalette reicht von düster-schmutzig bis hin zu neonfarben leuchtend, wenn man das Nachtleben erkundet. Wer gerade nicht die Hauptstory verfolgt, wird öfter mal einfach beeindruckt dastehen (stets in First-Person) und sich alles genau anschauen.

Doch leider ist viel mehr als Anschauen auch nicht drin. Zwar bietet Cyberpunk reichlich Nebenstorys und Nebenjobs, aber die gesamte Umgebung ist nicht sehr interaktiv – anders als man ursprünglich versprochen hatte. Man kann NPCs zwar mit X anreden, aber mehr als ein abfälliges „Hau ab!“ gibt’s nie zu hören. Und das Schlimme: Jeder NPCs redet das Gleiche. Ob Currywurst-Verkäufer, Stricher, Polizist oder rauchender Junkie: Alle labern die gleichen, kurzen Worte. Sicherlich gibt es Läden, in denen man Waffen kaufen kann, es gibt Imbissverkäufer und Discos – aber das alles sind nur sehr wenige Locations, die auf der Map angezeigt sind. Die tausenden anderen Straßenhändler, geschlossenen Discos mit einem Schild „geöffnet“ an der Fassade und sonstigen NPCs bergen keine Interaktionsmöglichkeiten. Das wirkt besonders am Anfang des Spiels etwas entzaubernd, da Night City insgesamt eher wie eine Kulisse wirkt und nicht das hält, was es in anfänglichen Gameplay-Trailern verspricht. Die Kulisse ist allerdings beeindruckend dargestellt, das muss man sagen. Aber es bleibt ein fader Beigeschmack, wenn man feststellt, dass man eben kein Fastfood vom Markthändler kaufen kann und auch nur maximal 5% der Gebäude begehbar sind.

Die Sidequests machen das Spiel interessant

Während die Hauptstory meist Missionen nach dem Motto „run & gun“ sind und man mal mit KI-Kameraden, mal ganz alleine in Bereiche reingeht, viel schießt, viel hackt und Bosskämpfe durchsteht, sind viele der Nebenmissionen ruhiger und entspannter. Öfter mal wird eine ganze Menge Stealth verlangt, bei der ihr von euren Hackerfähigkeiten profitiert. Leider ist das Rollenspiel nicht so ausgereift wie andere (ich denke da an Deus Ex, was ebenfalls ein Cyborg-Sci-Fi-Setting bietet), denn der Skilltree hat nur den Anschein, viel Abwechslung zu bringen. Meist ist es besser, man setzt auf schiere Feuerkraft, denn das Quick-Hacking, mit dem man z.B. die Sicht der Gegner beinträchtigen, für Ablenkungen sorgen und Granaten explodieren lassen kann, benötigt gerade am Anfang sehr viele von den wertvollen Skillpunkten, damit sich damit erfolgreich und einfach spielen lässt. Und ähnlich wie Deus Ex kann man dann aber bei Bosskämpfen nur auf Feuerkraft zählen. Auch gibt es ein riesiges Crafting-Menü, bei dem man sich Upgrades für Waffen oder gar ganz neue Kleidung craften kann. Meist benötigt man das aber nicht, da man komplette Waffen, die noch besser sind, zuhauf beim Looten von toten Körpern findet…

Aber zurück zu den Sidequest. Hier erlebt man in Cyberpunk 2077 das erste Mal wahrliche Sternstunden des Gameplays. Hier glänzt es, denn die emotional mitreißenden Nebengeschichten lassen tiefgründige Charaktere erwachen und zeigen eine erstaunliche Tiefe, was die Erzählweise angeht. Hier kommen zum ersten Mal wahrlich gute Einzelschicksale zu tage, mit denen man richtige mitfühlen kann.

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Fazit

Wer eine Xbox Series X besitzt, der kann sich freuen: Hier läuft der Titel mittlerweile sehr rund. Cyberpunk 2077 kann hier durch eine packende Story und vor allem durch sehr durchdachte Nebenmissionen in eine dystopische Cyber-Welt eintauchen, das optisch eine Ästhetik der 80er mit modernen Techniken vermischt. Die Rollenspiel-Elemente sind etwas mau, es gibt viel First-Person-Shooter-Action und die Welt wirkt aufgrund mangelnder Interaktivität meist wie eine schöne Kulisse, doch insgesamt macht es dennoch Spaß, sich durch diese düstere Zukunftsvision hindurch zu kämpfen. Die Charaktere erwecken die tote Stadt zum Leben und reißen einen emotional mit, schön sind die Verflechtungen der Entscheidungen aus den Sidequests mit der Hauptstory, die zu verschiedenen Enden führen kann. Man fragt sich immer: Was wäre passiert, hätte ich mich in der Nebenstory anders entschieden?

Doch gibt es auch immer noch unzählige Bugs, ganz abgesehen davon, dass das Spiel auch einen Monat nach Release auf der Xbox One eigentlich komplett unspielbar ist. Die technische Komponente, die fehlt und die vielen, vielen Versprechungen bzgl. der Gameplay-Elemente, die nicht eingehalten wurden, lassen bei Cyberpunk 2077 einen faden Beigeschmack. Es ist bei weitem kein schlechtes Spiel, aber es hätte noch so viel mehr sein können, hätte man es geschafft, vor Release alle Fehler auszubügeln und mehr versprochene Inhalte zu bieten.


Bewertung

Pro

  • Teils geniale Sci-Fi-Atmosphäre
  • Setting und Story sehr gut
  • Nebenmissionen mit emotionalen und spannenden Storys
  • Recht große Spielwelt
  • Auf Xbox Series X flüssiges, actionreiches Gameplay

Contra

  • Wenig interaktive Welt
  • Sehr viele ähnliche Missionen und Jobs
  • Viele Versprechungen nicht eingehalten
  • Auf Xbox One eigentlich komplett unspielbar
  • Immer noch zahlreiche Bugs und Glitches

Grafik 8 von 10
8/10
Sound 8 von 10
8/10
Story 9 von 10
9/10
Gameplay 7 von 10
7/10
Technische Umsetzung 3 von 10
3/10
Umfang 7 von 10
7/10
7

11 Kommentare

dayX Mo, 15.02.2021, 17:51 Uhr

Ja hab 8,5 Stunden Spielzeit auf Steam und danach abgebrochen. Selbst wenn man die ganzen Bugs ausblendet ist es immer noch kein wirklich gutes Spiel und meilenweit davon entfernt, was CDPR angekündigt hat. Für mich mit Abstand DIE Enttäuschung meiner Gaming-Karriere. Und es tut mir in diesem Fall im Herzen weh, nachdem ich The Witcher 3 locker 4-5 mal durchgezockt hab auf sämtlichen Systemen.

Ich werde aber auf jeden Fall nochmal reinschauen, wenn sie mit der Entwicklung hoffentlich irgendwann fertig sind. Das Grundgerüst ist ja vorhanden, nur hätte man noch mindestens 1 Jahr Entwicklungszeit benötigt.

Knuffte So, 14.02.2021, 18:08 Uhr

Hast du das Spiel selber mal gespielt?

Klar gibt es so einige Bugs, aber man sollte nicht vergessen, dass bei solchen Videos nur solche Momente raus gesucht werden.

dayX So, 14.02.2021, 11:23 Uhr

Ich bin ja erstaunt darüber, wie gut der Rotz trotzdem in sämtlichen Reviews noch wegkommt. Für mich maximal eine 4 / 10, PC-Version. Kann mir auch beim besten Willen kein neues No Mans Sky vorstellen, dafür sind die Probleme einfach zu gravierend. Für mich ist das letzte Fünkchen Vertrauen in die Gaming-Branche hiermit jedenfalls gestorben.

RDR2 obliterates Cyberpunk 2077 - YouTube

Knuffte Do, 21.01.2021, 17:15 Uhr

Laut Ringdrossel läuft es auf der One X ziemlich solide.

Markus5113 Do, 21.01.2021, 15:05 Uhr

funktioniert auch das Spiel "Cyberpunk 2077" auf der normalen xBox one X ?

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