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    Der BSV Kickers Emden reict die Onsolvenz ein. Hier ein Ausschnitt aus der Emder Zeitung.

    Jetzt doch: Kickers will den Schuldenschnitt


    Von JÖRG-VOLKER KAHLE und STEPHANIE SCHUURMAN
    Tel. 0 49 21 / 89 00 442
    Emden. Der erwartete Paukenschlag kam ganz zeitig: Statt seines planmäßigen Tätigkeitsberichtes begann der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Klaus Strahmann mit einer gemeinsamen Erklärung von Aufsichtsrat und Präsidium, die in der Feststellung gipfelte: ”Wir machen mit der Vergangenheit endgültig Schluss, denn sie lässt uns nicht mehr los. Sie schadet unserem Sport, den Spielern und dem Verein. Wir werden morgen die Insolvenz anmelden.”
    Ausführlich hatte Strahmann zuvor begründet, warum dieser Schritt jetzt unumgänglich sei, aber vor zwei Jahren nicht zu gehen war. Damals hatten der Aufsichtsrat und Teile des Präsidiums den Gang in die Insolvenz noch abgelehnt. Eine zentrale Bedeutung hat dabei die Jugendabteilung: Nach der Auffassung von Aufsichtsrat und Präsidium ist ihr Überleben und der Erhalt der jetzigen Spielklassen auch im Fall der Insolvenz gesichert. Vor zwei Jahren hingegen glaubten sie die Jugendabteilung unrettbar verloren. Zugrunde liegt dieser Einschätzung eine Regeländerung des Niedersächsischen Fußballverbandes, die nach diesen Angaben seit dem 1. Juli 2011 gilt: Jugendmannschaften bleiben auch während und nach einem Insolvenzverfahren in ihrer Spielklasse. ”Das ist der entscheidende Unterschied zu der Situation vor zwei Jahren”, sagte Strahmann auf der Jahreshauptversammlung.
    Ob die 1. Herrenmannschaft das Insolvenzverfahren überdauern könne, müsse sich in den kommenden Wochen nach Gesprächen mit den Spielern und dem Insolvenzverwalter zeigen, heißt es in einer vorab vorbereiteten und nachher verteilten Presseerklärung. Die Verantwortlichen sind aber guter Dinge. Unter anderem gehen sie davon aus, dass nach dem Insolvenzantrag die Arbeitsagentur die Spielergehälter für drei Monate (September, Oktober, November, jeweils zum folgenden 15. fällig) übernimmt. Danach solle ein in Gründung befindlicher Freundeskreis einspringen. Sicher ist, dass nach dem Insolvenzantrag Kickers als Absteiger der Oberliga feststeht. Die Landesliga wäre sicher, wenn die Mannschaft weiterspielt. Tritt sie allerdings dreimal in einer Halbserie nicht an, wird sie ausgeschlossen. Das hieße dann Neustart ganz unten - in der Kreisklasse.
    Dass der Entschluss zum Insolvenzantrag gefällt wurde, begründete Strahmann auch mit den anhaltenden Liquiditätsproblemen und den Schulden, die zu nicht unwesentlichen Teilen noch aus Drittliga-Zeiten stammen. ”Der Schuldenstand ist so hoch, dass er für einen Fünftligisten nicht weiter abzubauen ist”, sagte Strahmann. Präsident Günter Schmaler machte deutlich, dass für die Verhinderung der Insolvenz 2,8 Millionen Euro auf den Tisch gelegt werden müssten - denn dann würden auch die Beträge fällig, deren Gläubiger eine sogenannte Rangrücktrittserklärung unterzeichnet hatten. Schmaler: ”Die Entscheidung ist alternativlos.”
    Zugespitzt habe sich die Situation nach Strahmanns Darstellung in den letzten drei Wochen, als unter anderem bekannt wurde, dass die Spielergehälter nicht bezahlt werden konnten, dass Forderungen des NFV nicht bedient wurden, dass Gläubiger Pfändungen bewirkt hatten. Dabei beklagte Strahmann vor der Versammlung, dass diese negativen Nachrichten bewusst lanciert und von der örtlichen Presse aufgegriffen worden seien. Die Konsequenz sei die Kündigung von drei Hauptsponsoren gewesen, weil sie kein Vertrauen mehr in eine positive Wende bei Kickers gesehen hatten.
    Strahmanns Ausführungen wurden mit der von 113 Stimmberechtigten besuchten Versammlung unterschiedlich aufgenommen: Enttäuschung war zu spüren, Entsetzen über die Unausweichlichkeit, aber auch die Bereitschaft, sich dem Notwendigen zu fügen. In verschiedenen Beiträgen wurde die Frage gestellt, warum es nicht gelingt, die notwendigen Sponsoren in der regionalen Wirtschaft zu finden. Unter anderem wird in der Mitgliedschaft ein großes Engagement von VW vermisst. Schmaler verwies darauf, dass er mehrfach öffentlich die Frage gestellt habe, ob diese Stadt diesen Verein und seinen hochklassigen Fußball wolle: ”Ich habe keine Antwort bekommen, keine Reaktion”, bekannte er enttäuscht. Es gab aber auch Appelle zum Zusammenhalt, die unter anderen auch an die 1. Mannschaft gerichtet waren.
    Die eigentliche Jahreshauptversammlung fand dann ein vorzeitiges Ende ohne Einstieg in die eigentliche Tagesordnung. Denn eventuelle Beschlüsse wären in Anbetracht eines Insolvenzverfahrens unwirksam. Ob und wie das abgewickelt wird, muss sich zeigen. Nach Angaben von Günther Kunz, Rechtsanwalt und bis 2009 Präsidiumsmitglied, gibt es zwei Möglichkeiten: die Regelinsolvenz und die Planinsolvenz. Bei der Regelinsolvenz wird alles versilbert, an die Gläubiger verteilt, der Verein aufgelöst. Mangels Masse ist dieser Weg für Kickers nicht denkbar, stellte Kunz fest. Bei der Planinsolvenz wird ein Plan für eine Entschuldung und einen Neubeginn aufgestellt. Die Hauptgläubiger würden dieser Planinsolvenz zustimmen, sagte Kunz: ”Das haben wir vorher ausgelotet, so bekommen sie wenigstens ein bisschen.” Was, das ließ er offen.
    Das Sagen hat ab heute erst einmal der Insolvenzverwalter. Präsidium und Aufsichtsrat werden ihn unterstützen, versprach Strahmann in der Presseerklärung. ”Wir sind überzeugt, dass wir nach diesem Befreiungsschlag den Fußball in unserer Region wieder aktiv mitgestalten können. Unsere Jugendmannschaften sind eine gute Basis dafür.”


    Veröffentlicht am 25.11.2011.

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