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BandaiNamco wagt die 10-Year-Challenge… und bringt uns das J-RPG Tales of Vesperia erneut auf die Xbox. Diesmal als „Definitive Edition“, mit allen Bonusinhalten. Wir haben diese Version gespielt und sagen euch, warum die Neuauflage immer noch cool, aber nur etwas für Fans ist.

Solides Rollenspiel wie eh und je

Knappe 10 Jahre sind vergangen, als ich das Spiel zum ersten Mal gespielt und auch getestet habe. Tales of Vesperia jetzt auf der Xbox One macht immer noch eine gute Figur. Der Cell-Shading-Look im Animegewand passt perfekt auf das Spiel und die wunderbar entworfenen Umgebungen, Städte und Charaktere machen auch heute noch eine tolle Figur. Alles ist detailverliebt, die Story ist wahnsinnig komplex, die unterschiedlichen Protagonisten haben eine tiefgründige Persönlichkeit.

Das Gameplay ist ebenfalls gut und so klassische, japanische Rollenspiele gab es bereits vor 10 Jahren nicht viele auf der Xbox. Jetzt ist das Ganze noch karger geworden und abgesehen von Final Fantasy und Monster Hunter – welche vom Genre schon deutlich anders sind – gibt es keine nennenswerten J-RPGs auf Microsofts Konsole. Wer also auf viele Dialoge, viel Erkundung, viele Items, Craften und Magie steht, gleichzeitig sich aber an einem spannenden Kampfsystem erfreut, was eine Mischung aus aktiven und Rundenkämpfen darstellt, wird mit Tales of Vesperia immer noch richtig liegen. Vor allem der Umfang ist im Vergleich zu heutigen Spielen bombastisch.

Der Nostalgiefaktor: Gut und schlecht zugleich

Zehn Jahre sind eine Zeit und man merkt natürlich, dass einiges etwas altmodischer ist. Zwar ist der Nostalgiefaktor teilweise hoch, aber er hat auch seine Schattenseiten. Die vielen NPCs, die keine Rolle spielen und sinnlose Dialoge vor sich hinplappern, die schier unendliche Zahl an Zwischensequenzen, das Grinden vor wichtigen Bosskämpfen… Das sind alles Elemente, die irgendwie (zurecht) aus der Mode gekommen sind. Da muss man sich wieder dran gewöhnen.

Vor allem das Speichersystem wirkt heute komplett veraltet, umständlich und trägt zum Schwierigkeitsgrad des Spiels bei. Nein, man kann nicht jederzeit speichern. Man kann immer nur an Speicherständen in Städten oder wichtigen Orten speichern. Das Problem: Oftmals liegen zwischen zwei Speicherständen lange Storymomente, große Bosskämpfe oder wichtige und schwere Passagen. Vor allem aber die Storyszenen sind anstrengend. Wenn man einen dringenden Termin hat und man eine Passage angefangen hat, möchte man ungern seinen Fortschritt von 1-2 Stunden aufgeben. Aber so lange kann es schon mal dauern, wenn man gerade aus einem Dungeon herausgekommen ist und auf den nächsten Speicherpunkt hofft. Das ist viel zu oldschool und hätte man anders lösen müssen – mich persönlich nervt das total.

Die neuen Inhalte: Nicht ganz kohärent

Die neuen Inhalte der Definitive Edition beinhalten neue Passagen, die bisher nur in der japanischen Version verfügbar waren. So gibt es einige neue Nebenquests mit neuen Charakteren (Piratenschiff) und sehr viele neue Dialoge, die euch noch viel mehr Hintergrundinfos bringen. Für Fans des Spiels ist das echt super, es gibt ohnehin schon einen enormen Umfang, aber mit den neuen Szenen und Quests ist man gut und gerne mindestens 100-120 Spielstunden beschäftigt. Das ist schon ein großer Brocken.

Das einzige Problem: In der englischen Sprachausgabe hat man bei sehr vielen Synchronsprechern nicht mehr die Originalbesetzung für die neuen Szenen bekommen. Das führt dazu, dass man für viele Charaktere (unter anderem Yuri, den Hauptprotagonisten) zwei Stimmen, die auch noch teilweise komplett unterschiedlich klingen. Das ist chaotisch und ruiniert leider viel Atmosphäre. Ich fand die Originalsynchronsprecher im Englischen sehr gut. Aber ein Hin und Her ist echt seltsam. Komischerweise wurden auch einige neue Kampfschreie bei Angriffen in Kämpfen neu synchronisiert, sodass es Momente gibt, in denen man während der Kombo (!) unterschiedliche Stimmen hört. Das ist mehr als seltsam.

Zugegeben: Ein Feature der Definitive Edition ist auch, dass man bei Spielstart jedes Mal zwischen der japansichen und englischen Synchronisation wählen kann. Das Feature ist nett und vor allem Hardcore-Animefans wollen den O-Ton nicht missen – aber ich hatte mich schon an die englische gewöhnt. Und vor allem will ich persönlich nicht immer Untertitel lesen…

Fazit

Ja, Tales of Vesperia ist immer noch ein gutes Spiel. Das Rollenspiel punktet durch eine wahnsinnig gute Story, tiefgründige Protagonisten, einem bombastischen Umfang und detailverliebte Städte. Das Kampfsystem ist immer noch sehr gut und ausbalanciert und J-RPGs sind sowieso eine Seltenheit auf der Xbox!

Die „Definitive Edition“ wartet mit richtig vielen neuen Zwischensequenzen und Quests, die so bisher nur in Japan erschienen sind. Allerdings wurden für die neuen Passagen teilweise neue englische Synchronsprecher benutzt und hier büßt das Spiel sehr viel an Atmosphäre ein.

Außerdem ist der Nostalgiefaktor nur bedingt ein Pluspunkt, denn Dinge wie ellenlange Zwischensequenzen oder ein viel zu anstrengendes Speichersystem wirken einfach nur altbacken und nerven. Hier hätte man das Spiel etwas überarbeiten müssen, damit es zeitgemäßer wirkt. Man kann das Spiel aber weiterhin allen Fans von J-RPGs wärmstens empfehlen – es ist und bleibt ein geniales Ding mit einem wahnsinnig großen Umfang. Wer sich da reinfleischt, hört so bald nicht mehr auf!


Bewertung

Pro

  • Wunderbares Design
  • Tiefgreifende Story
  • Tolles Kampfsystem
  • Neue Charaktere und Quests
  • Wahnsinniger Umfang
  • Wahl zwischen englischer und japanischer Synchronisation

Contra

  • Lange Dialoge und Zwischensequenzen
  • Für bestimmte Szenen neue englische Synchronsprecher
  • Speichersystem furchtbar altbacken und anstrengend
  • Kein Xbox-Live-Multiplayer

Grafik 8 von 10
8/10
Sound 7 von 10
7/10
Story 9 von 10
9/10
Umfang 10 von 10
10/10
Gameplay 8 von 10
8/10
Spielspaß 7 von 10
7/10
XBU-Silver-Award
8

2 Kommentare

XBU Philippe Fr, 25.01.2019, 09:34 Uhr

Wenn man es noch nie gespielt hat, ist es ein wahnsinnig geiles Spiel, das schier unendlich viel Spaß bringt. So viele Quests, so viele Städte und Dinge zum Erkunden und spannende Kämpfe. Aber ich, der es bereits vor 10 Jahren gespielt hat, war jetzt nicht mehr so zuhause im Spiel. Ich kenne das ja alles bereits und die "neuen" Features haben mich nicht umgehauen. Gestört hat mich tatsächlich das Speichersystem...

TheGreenChris Mi, 23.01.2019, 10:40 Uhr

Schöner Test Phil. Ich habs auf der Switch (da passte das für mich auf Grund der Portabilität besser) und kann somit zum technischen Aspekt nicht viel sagen. Der Rest vom Spiel ist klasse und ich finde das Spiel ist in seinen 10 Jahren echt gut gealtert. Ja einige Mechaniken gibt es so heute nicht mehr, anders als du finde ich aber grade das charmant und es trifft eher meine Erwartungen als hätte man das an die Neuzeit angepasst. Na ja gut und auf der Switch stört das mit dem Speichern nicht so. Konsole in den Stand-By und beim nächsten Anmachen biste genau da wo du ausgemacht hast. :)

Alles in allem ein sschönes Remake von einem der - meiner Meinung nach - besten Tales Teil. :)