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Machine Games hat gemeinsam mit Bethesda Softworks den nächsten Teil der Reihe veröffentlicht. Mit Wolfenstein Youngblood, machen BJ Blazkowicz Töchter Jagd auf das Regime. Ob und für wen das neue Koop-Abenteuer taugt, sagen wir euch im Test.

Ein fröhliches Familienblutbad

Gleich zu Beginn lernt man, dass BJ Blazkowicz seinen beiden Töchtern das Kämpfen beigebracht hat und der Held der vorangegangenen Teile nun auf einer Mission verschwunden ist. Klar, dass die beiden Töchter den lieben Papa suchen und befreien wollen. Wie es der Zufall will, verschafft ihnen ein Freund auch direkt die passenden Anzüge dazu.

Man sieht also, dass das Story Setup wirklich einfach gewählt wurde. Hinzu kommt, dass beide Töchter eher in Teenie-Stimmung sind und ganz nebenbei Soldaten in einer blutigen Explosion vernichten. Sie bekichern sich dabei sogar. Das ist meines Erachtens nicht ganz ohne und etwas ungeschickt gewählt. Spätestens jetzt sollte Eltern klar werden, dass noch mehr als bei den Vorgängern, dieser Titel in keine Kinderhände gehört.

Schwang im vorigen Teil immer noch etwas Ernst bei der ganzen Sache mit, so verkommt die Welt zur lustigen Splatterorgie für Teenies. Das ist natürlich etwas speziell und nicht jeder wird sich damit wohl fühlen.

Massiv verändertes Gameplay

Man fühlt sich bei dem Spiel in etwa so, als ob die Nebenmissionen von Wolfenstein 2 rausgerissen und zum Hauptbestandteil von Wolfenstein Youngblood gemacht wurden.

Doch es wurde noch mehr "verbessert". Die schlauchigen Missionen fühlen sich nicht mehr so richtig nach einem Wolfenstein-Spiel an. Und das liegt vor allem daran, dass man die Gegner eher an The Division orientiert hat. Das bedeutet, es gibt jede Menge Kugelfänger, die massig an Schüssen einstecken können. Somit ist es nicht möglich, einfachen Soldaten einen Kopfschuss zu verpassen, um sie auszuschalten. Vielmehr zuckt der Gegner kurz und der Lebensbalken über dem Kopf nimmt ein Stück weit ab. Danach ballert der Gegner munter weiter auf einen drauf.

Damit spielt sich der Shooter eben nicht mehr wie ein regulärer Shooter, sondern hat zum Teil Rollenspielelemente. Viele der Einheiten bringen eine Panzerung mit sich, die nur auf bestimmte Munitionstypen reagiert. Schießt man mit der falschen Waffe, passiert rein gar nichts. Somit wird es zwar taktischer aber auch insgesamt lahmer. Man fühlt sich nicht mehr wie ein cooler Badass, sondern muss mit mehr Behutsamkeit vorgehen. Das wird mit Sicherheit nicht jedem Spieler gefallen.

Zudem muss man grinden, also längere Zeit trainieren, um bestimmte Zonen zu bewältigen. Das soll natürlich dafür sorgen, dass man länger am Ball bleibt. Nimmt aber ebenfalls die Spannung weg. Doch Vorsicht, es gibt so gut wie keine Checkpoints. Stirbt man völlig am Ende einer Mission, hat man Pech und man darf wieder komplett von vorne beginnen, falls man keine Leben mehr hat.

Leben? Ja, man verfügt über drei Leben, die allerdings mit dem Partner geteilt werden. Das an sich kann schon für Zündstoff vor allem im Online-Koop sorgen. Spielt der andere oder man selbst deutlich schlechter und stirbt häufiger, so wird der Mitspieler direkt mitbestraft, in dem alle gemeinsamen Leben verbraucht werden. Ob man das gut oder schlecht findet, ist allerdings Geschmackssache.

Arsenal und Skills sind vielseitig anpassbar

Man hat eine Reihe von Waffen zur Verfügung, die sich nun viel stärker anpassen lassen als vorher. Man kann die Gewehre mit einem höheren Durchschlag ausstatten, Magazinerweiterung kaufen, den Lauf ändern, bis hin zur Feuerrate und dem Schalldämpfer gibt es eine ganze Reihe an Individualisierungsmöglichkeiten.

Darüber hinaus kann man seine eigene Spielweise stark variieren. Am Anfang kann nur eine der beiden Schwestern den Gegner rammen und damit umhauen, während die andere dafür die zeitweilige Unsichtbarkeitsfähigkeit erhält. Jedoch verdient man sich in dem Spiel sogenannte Skillpoints. Hat man genug davon gesammelt, so lässt sich die andere Fähigkeit ebenfalls damit erwerben. Dadurch ist Stealth-Rammbock-Variante durchaus umsetzbar und man erhält vielsietige Optionen, um den Charakter zu spielen.

Fazit

Machine Games hat mit Wolfenstein Youngblood durchaus einen soliden Shooter herausgebracht. Allerdings werden sich viele wundern, wenn sie das Spiel unbedarft zum ersten Mal spielen.

Der neue Teil fühlt sich überhaupt nicht wie die Vorgänger an. Das liegt vor allem daran, dass Gegner nun massive Kugelfänger sind, bei denen auch einfache Soldaten nicht per Kopfschuss zu Boden gehen. Viele laufen mit starker Panzerung herum und für diese muss sogar der richtige Missionstyp gewählt werden. Es fühlt sich also vom Gameplay her mehr nach The Division als nach Wolfenstein an.

Hinzu kommt, dass es so gut wie keine Checkpoints gibt und man sich mit dem Spielpartner die Leben sogar teilt. Um in einigen Gebieten erfolgreich zu sein, muss man zudem seinen Charakter und dessen Waffen leveln. Damit ist man viel stärker beim Rollenspiel als beim traditionellen Shooter. Wer dies akzeptieren kann, erhält ein knackiges Spiel in der Welt von Wolfenstein.

Zu guter Letzt sei noch ein Wort zur Zensur gesagt: Im Gegensatz zum PS Store gibt es im deutschen Microsoft Store nur die deutsche zensierte Version und nicht die internationale unzensierte Version. Scheinbar wollte man einem möglichen moralischen Konflikt mit der Darstellung von Swastika-Symbolen aus dem Weg gehen. Rechtlich ist es inzwischen in der Kunstform, zu der Videospiele inzwischen gehören, Deutschland seit 2018 erlaubt.


Bewertung

Pro

  • Vielseitige Anpassungsmöglichkeiten für Waffen und Skills
  • Knackige Missionen
  • Saubere 60 fps auf der Xbox One X
  • Nur die deutsche Version im Microsoft Store verfügbar

Contra

  • Gegner schlucken extrem viele Kugeln
  • Fast keine Checkpoints
  • Grind nötig, um weiter nach vorne zu kommen

Grafik 8 von 10
8/10
Sound 7 von 10
7/10
Story 7 von 10
7/10
Gameplay 7 von 10
7/10
Spielspaß 7 von 10
7/10
Umfang 8 von 10
8/10
7

2 Kommentare

TheGreenChris So, 11.08.2019, 13:41 Uhr

Bei dem was ich gelesen habe ist wohl das schlimmste gar nicht unbedingt, dass man nochmal durch die Gegner muss sondern eher die Geschichte mit der speziellen Munition. Also die Gegner Schlucken viel und manche kriegen nur mit spezieller Munition richtig Damage. Stirbt man nun am Ende der Mission und hat fast die komplette spezial Munition verballert, so hat man beim Wiedereinstieg auch nur noch die Munition welche man beim Ableben hatte. Somit hast du dann doppelt Spaß bei der Mission (und es zieht sich somit wohl noch länger).

BreakingLaw So, 04.08.2019, 23:17 Uhr

wie weit fällt man denn zurück von der zeit her, wenn man bei einer mission stirbt? also geht es dann um 15, 30 oder gar 60 minuten spielzeit, die man neu machen muss? danke!