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Die Kombination aus Disney und Final Fantasy hat über die Jahre viele Anhänger gefunden und mehr als acht Spin-Off und Remakes produziert. In der Hauptreihe von Kingdom Hearts erschien Teil 3 nun auch für die Xbox. Wir haben es getestet und sagen euch, warum es mehr Schein als Sein ist.

Um was bitteschön geht es?

Man kann es sich fast schon denken, aber bei der riesigen Zahl an Spin-Offs ist und bleibt die Story von Kingdom Hearts III komplett unverständlich. Nur Fans, die sich viel in die Geschichte investiert haben, verstehen, um was es geht und können etwas mit den vielen Charakteren anfangen. (Youtuber videogamedunkey gibt einen ironischen, aber auch ernsten Rückblick über die Story)

Die Geschichte ist dermaßen verworren, dass jede Zwischensequenz (und davon gibt es mehr als echtes Gameplay) voll mit Dialogen ist, die versuchen, die Story voranzubringen oder zu erklären. Dies wird unter anderem auch damit entschuldigt, weil unser Hauptprotagonist Sora sein Gedächtnis verloren hat. Das macht es aber nicht besser und viel zu oft fühlt man das gleiche wie Sora, der regelmäßig sagt „Das verstehe ich jetzt nicht.“

Ganz kurz vereinfacht: Xehanort droht mithilfe der „Herzlosen“ die Welt zu zerstören. Ihr kämpft als Sora an der Seite von Mickey Maus, Donald und Goofy, um in aufzuhalten. Alles dreht sich darum, die Macht der „Erwachens“ zu erlangen – etwas, das ich über die gesamte Spieldauer ebenfalls versucht habe…

Um das Ziel zu erreichen, müsst ihr durch eine Vielzahl an Disneywelten reisen – warum auch immer. Wirklich erklärt wird hier nichts, schließlich ist die Story mittlerweile ein derartiges Chaos, dass jedes zusätzliche Erklären auch unnötig erscheint. Man würde es schließlich sowieso nicht verstehen.

Disney-Pixar-Spektakel

Wie eben erwähnt, bewegt sich das Rollenspiel in einer merkwürdigen Story hin und her. Da wird auch nicht groß erklärt, warum jetzt plötzlich in einer Disneywelt ist. Fakt bleibt aber: Das erstmalige Unterbringen der Pixar-Studios ermöglicht es Kingdom Hearts auch komplett neue Franchisen mit aufzunehmen. So bewegen wir uns einmal in der Monster-AG herum, erkunden Andys Zimmer (Toy Story) oder treffen auf Elsa, die gleich mal ein kräftiges „Let it Go“ dahin schmettert.

Die verschiedenen Disneywelten sind fantastisch designt und das gesamte Spiel strotzt nur so von kleinen, liebevollen Details. Zwar mag alles zusammenhanglos erscheinen, aber wer Disney mag, dem wird das schnuppe sein. Toll zu beobachten ist vor allem, wenn die Welten auch den Grafikstil beeinflussen. Während bei Hercules auf dem Olymp noch alles im Cell-Shading-Look gehalten wurde, fühlen wir uns in Monstropolis schon richtig in 3D. Abgefahren wird es dann bei den Piraten der Karibik (Fluch der Karabik; „Pirates of the Caribbean“), wo 3D auf Realverfilmung trifft und wir Orlando Bloom und Johnny Depp ins Auge blicken dürfen.

Ein Hack’n-Slay-Durchmarsch

Das Gameplay? Leider ebenfalls mehr als Show, als tatsächlich Gameplay. Kingdom Hearts 3 zeigt sich hier durchgängig als „Fanservice“ und man hat manchmal den Eindruck, man spielt einen Film. Während es sehr viele abwechslungsreiche Minispiel-Passagen gibt (die aber teilweise auch nerven und vom Hauptgeschehen ablenken) – hier geht es von kleinen Puzzles über Geschicklichkeitsspiele, Raumfahrten oder Tetris-Klone – so ist der Hauptteil Erkundung, etwas Rollenspielelemente und viel Hack’n Slay in nichtssagenden Kämpfen.

Man kann das ganze Spiel über lediglich durch repetitives A-Drücken vorankommen, ohne zu merken, dass einem noch viele weitere Moves, Verteidigungen und Magie zur Verfügung stehen. Gelegentlich drückt man Y und schon kommt einer der zahlreichen magischen Bonusmoves, die sich wie eine Zwischensequenz anfühlen. Hier ist viel Show und wenig Substanz im Gameplay.

Die wenige Substanz zieht sich leider durch das gesamte Spiel. Zwar will man einem weismachen, dass man so unglaublich viel machen kann, doch ist das Rollenspiel, das hier versteckt liegt, nur eine Fassade für viel Disney, viel Story-Gelaber und ein mittelmäßiges Hack’n-Slay-Gameplay…

Fazit

Leider ist Kingdom Hearts 3 eine kleine Enttäuschung, obwohl es schlussendlich immer noch unterhaltsam bleibt. Dank des Disneyfaktors fließt eine unglaublich große Vielzahl an nostalgischen Momenten hinein und wir springen von Hercules zu Winnie The Pooh, hinüber zur Monster AG, Toy Story, Frozen oder gar Fluch der Karibik. Die Atmosphäre ist toll, keine Frage. Aber die zwei großen Mankos – Story und Gameplay – können dadurch nicht ganz kompensiert werden.

So haben wir eine Geschichte, die verwirrend und chaotisch ist (unter anderem weil eine unglaubliche Vielzahl an Spin-Offs gibt), dass wir bezweifeln, dass selbst Fans da ganz durchblicken. Zum anderen haben wir das Gameplay, das vorgibt ein Rollenspiel mit coolen Kämpfen zu sein, schlussendlich aber auch nichts weiter als pompöse Show ist.

Die Show – das ist der Moment wo Kingdom Hearts 3 punktet. Fantastisch bunte Kämpfe mit wahnsinnig coolen Special-Moves, Pixar-Welten die vor Details nur so sprühen und bei denen jedem Disneyfan das Herz aufgeht, drollig süße Charaktere, abwechslungsreiche Minispiele jedweder Art und witzige Comic-Momente… Doch mehr als das bietet man uns dann wiederum nicht. Wer auf etwas Tiefe im Gameplay und komplexere Handlungsmöglichkeiten hofft, der irrt. Man kann sich fast das gesamte Spiel mit einer Taste durchkämpfen und wird nie wirklich gefordert – selbst auf dem höheren Schwierigkeitsgrad nicht.

Letztendlich kann man das Spiel nur Disney-Fans empfehlen – die bekommen ihre Portion Mickey Maus satt, so viel ist klar. Rollenspieljunkies sollten eher einen Bogen drum machen – da greift man besser zu Tales of Vesperia.


Bewertung

Pro

  • Disney-Welten sind fantastisch und detailverliebt
  • Bombabstische Show in den Kämpfen
  • Gute englische Synchro, schöner Disney-Soundtrack
  • Abwechslungsreiche Minigames

Contra

  • Story chaotisch und komplett unverständlich
  • Kern-Gameplay repetitiv und simpel
  • Viel zu viele langwelige Dialog-Zwischensequenzen
  • Oberflächliche Rollenspielelemente

Grafik 9 von 10
9/10
Sound 8 von 10
8/10
Story 3 von 10
3/10
Umfang 7 von 10
7/10
Spielspaß 8 von 10
8/10
Gameplay 6 von 10
6/10
7

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