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Wenn man einmal den Blick über den Store auf der Xbox schweifen lässt, dann fällt schnell eines aus: Überall Pixel! Gefühlt die Hälfte aller Indie-/Arcade-Titel kommt im Retro-Gewand daher und will die Spieler, dank grobaufgelöster Grafiken, abholen und in die Kindheit versetzen. Wo kommt die Flut an Pixeln eigentlich her und wie macht man es besser?

Zurück in die Zukunft

Ja, ich gebe es ja zu. Ich finde Pixel toll! Und ja, ich freue mich auch immer wieder über die vielen Retro-Spiele, die man heute im Store so findet. Aber so langsam hängt es selbst mir zum Halse heraus.

Natürlich, wenn ich ein Jump 'n' Rund spiele, bei der die Welt aus Blöcken besteht, dann fühle ich mich gleich zu Hause. Nein, besser noch - es ist als wäre ich wieder 9 und ich säße an einem verregneten Herbsttag daheim bei meinen Eltern, tränke einen Kakao und spielte Super Mario Bros. auf dem NES.

Die Masche zieht und ich bin immer wieder zu eben jenen Titeln auf der Xbox hingezogen. Aber so langsam reicht es. Ich habe mich sattgesehen, der Nostalgieeffekt verblasst. Was bleibt ist ein 51" Full-HD Plasma-TV, der, anstatt hochauflösende High Definition Grafiken zu projizieren, völlig unterfordert ist, weil er zentimetergroße Pixel darstellen muss.

Minecraft - Der Ursprung allen Übels?

Den Ursprung dieses Trends zurückzuverfolgen dürfte nahezu unmöglich sein. Einen großen Faktor spielt aber sicher ein Titel aus dem Hause Mojang. Richtig, Minecraft, du bist gemeint. Mit deinen metergroßen Pixelblöcken hast du eine Lawine ausgelöst, von der sich der Markt noch immer nicht erholt hat. Retro ist in - zumindest denken das die Entwickler.

Das Interessante ist ja auch, dass wir mit Pixeln die Kindheit oder eben die Anfänge der Videospielära in Verbindung bringen und wir, so denke ich zumindest, den Pixeln irgendwie auch nicht böse sein können. Nun stelle man sich aber einmal vor, die Entwickler kämen auf die Idee, Grafiken der N64-Zeiten wieder aufleben zu lassen. Wollen wir das? Ganz sicher nicht!

Die Faszination kann also auch nicht allein auf Kindheitserinnerungen zurückzuführen sein. Denn sonst würden diejenigen unter uns, die mit Konsolen wie dem N64 oder PlayStation aufgewachsen sind, ja kaum dem Pixelwahnsinn verfallen. Schaut man sich aber den Markt an, scheint jede Altersgruppe von den Retro-Darstellungen angezogen.

Pixel = Simpel = Spaß?

Was also ist es dann? Ist es die Tatsache, dass man seine 2D-Pixelhelden wunderbar mit Bügelperlen nachbauen kann? Wohl eher nicht! Oder liegt es daran, dass es immer noch eine Menge Röhrenfernseher in deutschen Haushalten gibt, auf denen Pixel einfach besser aussehen? Auf keinen Fall!

Ich denke es ist die Einfachheit, die Simplizität, die bei Jung und Alt dafür sorgt, dass Pixel einfach rocken. Einher geht nämlich oft auch eine 2D-Darstellung der Welt, die gerade bei "Casual Gamern" oder älteren Spielern einfacher zu durchdringen und zu bewältigen ist - subtrahiere eine Ebene im Raum und addiere dafür eine Ebene Zugänglichkeit!

Wenn wir dann noch die Kindheitserinnerungen hinzunehmen, zudem bestimmte Objekte in groben Klötzen einfach charmanter daherkommen und wir dann noch eine Prise mobiles Gaming hinzufügen, dann kommen wir einer Erklärung der Faszination, die Pixel auf uns auswirken, wohl relativ nahe.

Es geht auch anders

Abschließend möchte ich Entwicklern auch gar nicht Faulheit vorwerfen, wenn sie auf die Retro-Optik setzen. Sicher sind nämlich auch Spiele mit Pixel-Grafik in ihrer Entwicklung langwierig und es muss vieles bedacht werden. Gerade durch die beschränkten Möglichkeiten muss abgewogen werden, wie man Gegenstände, Gegner, Umgebungen etc. darstellen kann.

Dennoch, verschiedene Entwickler können es ja auch anders und punkten oft allein durch ihre Originalität in der Grafik. Da wäre z.B. Ubisoft mit ihrem UbiArt Framework, welches auch für Arcade-Titel wie Valiant Hearts verwendet wurde. Oder The Behemoth, die mit Titeln wie Castle Crashers oder BattleBlock Theater natürlich auch spielerisch hervorragende Titel abgeliefert haben, aber am Ende mit einem fast schon gekrakelten Zeichenstil punkten, der schon beim Zusehen Spaß macht.

Und wenn es schon Pixel sein müssen, dann bitte richtig. Evoland, bisher nur für den PC erschienen, spielt z.B. damit und lässt den Spieler die einzelnen Ären durchschreiten. So startet man mit 8-bit Grafik und Gameplay und durchschreitet anschließende einzelne Grafik- und Gameplayzeitalter. Minecraft ist natürlich das Beispiel schlechthin und würde ohne Pixel wohl so gar nicht funktionieren.

Alte Spielweise, neues Gewand

Einen Vorteil hat dieser ganze Pixelwahn aber: Wenn Entwickler auf alte Darstellungsweisen zurückgreifen, kommen oft auch die alten Spielideen wieder ans Tageslicht. Ob Dungeon Crawler, Platformer oder RPG-Adventure, alles kommt zurück.

Für mich als Jump 'n' Run und Platform-Fanatiker bedeutet das mehr Auswahl als je zuvor - noch dazu in meiner liebsten Ansicht, in 2D! Und wenn Entwickler dann erst einmal merken, dass wir, die Spieler, wieder Titel wie Metroid, Zelda oder ein Super Mario Bros. haben wollen, dann kommen am Ende vielleicht Perlen wie Ori and the Blind Forest heraus. Ganz ohne Pixelgrafik und doch mit dem alten Feeling!

Quelle:

3 Kommentare

XBU MrHyde Mo, 20.07.2015, 11:01 Uhr

Ich zähle mich zu den Arcade-Vielspielern, aber ich mag dann doch eher die im neuen Look und verzichte gerne auf den Retro-Grafik-Stil. Die Spiele dürfen ja gerne nen Retro-Charme in Sachen Spielidee haben, aber grafisch wünsche ich mir dann doch was Aufpoliertes.

XBU Buttercup Mo, 20.07.2015, 09:42 Uhr

Weißt du was mir dazu einfällt? Kennst du das Spiel "I wanna be the guy"? Das wär doch was für dich :'D

https://www.youtube.com/watch?v=vfFzFt39Cus

TheGreenChris So, 19.07.2015, 17:02 Uhr

Netter Beitrag zum Retrowahn. Ich konnte dem ganzen Retro-Kram nie wirklich etwas abgewinnen und habe noch nicht eine Minute Minecraft gespielt.
Für gewisse Genres funktioniert dieser Grafikstyle und sofern er nicht nur zur Effekthascherei eingesetzt wird kann es stimmig rüberkommen. Dennoch, wenn ich Retro spielen will, dann hol ich auch die Games von damals wieder heraus. Für mich ist Retro nämlich mehr als nur die Optik.

Der nette Nebeneffekt das damit "todgeglaubte" Genres wiederbelebt werden, den - muss ich aber gestehen - nehme ich gerne mit. So wird die Spielwelt wieder etwas abwechslungsreicher. :)