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Anfang März erschien der Titel Old Man's Journey, den sicher viele Spieler gar nicht auf dem Schirm hatten. Dabei ist das Spiel eines, welchem man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, wenn man sich für Rätselabenteuer interessiert. Old Man's Journey, wie der Name schon verrät, erzählt die Geschichte über einen alten Mann, den wir bei seiner Reise durchs Leben, Verlust, Versöhnung und Hoffnung begleiten dürfen. 

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Was zu Beginn des Spiels positiv auffällt, ist die reduzierte und trotzdem sehr detaillierte Kulisse. Während unser alter Mann aus dem Haus geht, um einen Brief in Empfang zu nehmen, werfen wir einen Blick auf die Umgebung. Eine Küste im Hintergrund. Vor dem Haus ein kleines Beet, in dem Tomaten wachsen. Der Stil wirkt ein wenig beruhigend und meditativ. Nachdem der Alte den Brief etwas aufgewühlt und bekümmert gelesen hat, betritt er das Haus, um direkt wieder bepackt mit Rucksack und Stock seine Reise zu beginnen. Was im Brief stand, bleibt für den Spieler bis zum Schluss nicht ersichtlich. Auch wohin unsere Reise führt, bleibt vorerst ein Geheimnis.

Wir steuern unseren Charakter mit einem Zeigefinger, der sich wie ein Mauszeiger auf dem Bildschirm bewegt. Wenn wir uns fortbewegen möchten, klicken wir an die Stelle, an die wir laufen wollen. Dadurch erscheint auf dem Bildschirm ein Wegpfeiler, zu dem der Alte geht. Ein wenig wie im Point'n'Click Adventure. Wir laufen jedoch nicht, wie üblich, von links nach rechts, sondern können auf Dinge im Hintergrund zeigen und unser Protagonist springt trotz seines hohen Alters munter über Berge und Hindernisse, um sein Ziel zu erreichen.

Als wir das Haus im Hintergrund erreichen, setzen wir uns erstmal an den Baum, der direkt davor steht. Während wir uns umsehen, fällt uns ein verliebtes Paar auf, welches auf dem Dach des Gebäudes sitzt. In einer Cutscene schwelgt unser Charakter in eigenen Erinnerungen aus der Zeit, in der er jugendlich und verliebt war. Wir sehen den alten Mann plötzlich als jungen Matrosen auf einer Festlichkeit, bei der er wohl die Liebe seines Lebens zum ersten Mal entdeckt hat. 

Der Glaube (und die Liebe) können Berge versetzen

Nichtsdestotrotz sammeln wir unsere alten Knochen und setzen unsere Reise fort. Nachdem wir in den nächsten Abschnitt des Spiels gehen, scheint es hier erstmal nicht vorwärts und nicht rückwärts weiter zu gehen. Egal wo wir hin klicken, unser alter Mann hat stets ein Fragezeichen über dem Kopf und weiß nicht, wohin er soll. Etwas verzweifelt klicken wir auf den Bildschirm, um eine Lösung zu finden. Und da ist sie auch schon: Wir können Berge versetzen! Im wahrsten Sinne des Wortes. Ist unser Zeigefinger über der Kante eines Berges, wird dieser mit einer Linie umrandet und wir können die Höhe des Berges verändern. Nachdem wir uns so den Weg freigemacht haben, kann es auch schon weitergehen. 

Fast jeder dieser Levelabschnitte ist simpel aufgebaut: Wir müssen einen bestimmten Ausgang erreichen, um im Spiel weiter zu kommen. Das machen wir unsere Umgebung so formen, dass wir ungehindert weiter kommen können. Und in fast jedem dieser Abschnitte setzen wir uns für eine kleine Pause an festgelegten Orten hin und träumen von der Vergangenheit. So erfahren wir im Verlauf seiner Reise immer mehr Details und persönlich wichtige Stationen und Wendepunkte, die das Leben des alten Mannes deutlich geprägt haben.

Was sich auf Dauer sehr langweilig anhören mag, ist ein Karussell voller Emotionen und Gefühle. Bei Wind und Wetter meistern wir eine Erinnerung nach der anderen und reisen so durch unser Abenteuer. Ob zu Fuß, auf einem Boot oder in einem Heißluftballon, nichts hindert uns daran, der Bestimmung des Briefs zu folgen. 

In der Kürze liegt die Würze

Nach Rund 90 Minuten ist das Abenteuer für uns auch schon vorbei. Wir erfahren, was in dem Brief stand und weshalb wir die ganze Reise auf uns genommen haben. Am Ende des Spiels sind alle Kapitel anschließend einzeln anwählbar. Trotzdem hat das Spiel keinen großen Wiederspielwert, da die Geschichte sehr linear und vorgegeben ist und wir auf unserem Weg nichts Neues entdecken würden.

Fazit

Zugegeben, jedes Level irgendwelche Landschaften zu verschieben und an festen Punkten zu rasten, um in der Vergangenheit zu wühlen und das alles auch noch in nur 90 Minuten Gameplay, hört sich nicht wirklich prickelnd an. Die Frage ob sich das lohnt hier 9,99 Euro zu investieren, ist berechtigt. Die Antwort? Simpel: Ja!

Old Man's Journey ist ein Titel, der euch zu Tränen rühren kann, wenn ihr auf emotionale Rätsel-Adventures steht. Jeder Abschnitt des Spiels ist eine visuelle Erzählung über die wertvollen Momente des Lebens, zerplatzte Träume und geänderte Pläne. Jeder von uns kann sich in die Lage des alten Herren versetzen und fiebert ganz automatisch mit ihm mit. 

Am Ende ist nämlich nur eine Sache wichtig: Welche das ist, könnt ihr am besten selbst für euch rausfinden.


Bewertung

Pro

  • wunderschöne Grafik
  • beruhigender Stil
  • tolle Musik
  • simpel

Contra

  • sehr kurz
  • kein Wiederspielwert

Grafik 8 von 10
8/10
Story 9 von 10
9/10
Umfang 6 von 10
6/10
Wiederspielwert 6 von 10
6/10
Sound 9 von 10
9/10
Zugänglichkeit 9 von 10
9/10
Gameplay 8 von 10
8/10
XBU-Silver-Award
8

3 Kommentare

Liutasil Mo, 15.04.2019, 12:01 Uhr

Ich hab's gekauft, gezockt, auf 1000 GS gebracht und umgetauscht bzw. zurückgegeben. Geht ja wenn du weniger als 2std gespielt hast und innerhalb von 2 Wochen. Fand es für den Preis auch viel zu kurz.

XBU Buttercup Do, 11.04.2019, 12:43 Uhr

Genau. Zumal es das Spiel auch für Smartphones gibt und dort kostet es nur die Hälfte im Gegensatz zur Konsole.

XBU Philippe Do, 11.04.2019, 12:35 Uhr

Ich persönlich fand es viel zu kurz und auch zu einseitig, was das Gameplay angeht. Es ist halt wieder einmal ein klassischer Indie-Titel. Viel Emotion, viel Aquarell-Optik, wenig Text. Die Stimmung ist schon toll, die Geschichte herzzerreißend und toll präsentiert. Aber mehr als nur einmal kurz durch ist dann auch nicht drin. Hätte man noch etwas mehr Spieltiefe reingebracht, wäre ich zufriedener. So habe ich das Spiel in knapp 2 Stunden durchgespielt und das war's. Als Indie-Titel aber definitiv ein Blick wert.